Baal-Draco
Schüler
In BloodHaven gärte es, lange bevor der erste Stein flog.
Zuerst waren es nur geflüsterte Worte in dunklen Ecken: Dass die Rüstung nicht mehr im Tempel sei. Dass Baal-Draco seit Tagen nicht gesehen wurde. Dass man gehört habe, er sei in einem Dungeon gefallen, oder von seinen eigenen Kreaturen zerrissen worden. Niemand wusste, was stimmte – aber in einer Stadt wie BloodHaven brauchte die Wahrheit selten lange, um in etwas viel Gefährlicheres zu kippen: Hoffnung, Hass und Rausch zugleich.
In der altehrwürdigen Taverne „Zum Schwarzen Mond“ floss der BloodHavener Whisky in Strömen. Die Luft war dick von Rauch, Schweiß und aufgestauten Jahren der Unzufriedenheit. Alte Soldaten schlugen mit den Fäusten auf den Tisch, junge Heißsporne grölten Parolen, Händler verfluchten Steuern und Tempelabgaben, während zwielichtige Gestalten von einer „neuen Ordnung“ raunten, in der die Fürsten und ihre Magie keine Rolle mehr spielten.
„Wenn der Alte wirklich tot ist“, lallte einer mit rotem Gesicht, „dann gehört die Stadt nicht länger irgendwelchen Blutzauberern. Dann gehört sie uns!“
„Uns?“ lachte ein anderer bitter. „Dir gehört nicht mal deine eigene Schuldenliste.“
Doch der Whisky war stärker als die Vernunft. Worte wurden lauter, Gesten wilder. Jemand stellte die Frage, die alle dachten: „Wenn die Rüstung weg ist – wer schützt uns dann noch vor denen, die kommen? Wie etwa Zalindera?“
Schließlich kippte die Stimmung. Jemand rief, sie sollten „nachsehen“, ob der Tempel wirklich ungeschützt sei. Ob die Priester noch wagten, ihnen ins Gesicht zu lügen. Eine Meute formierte sich – nicht organisiert, nicht einig, aber im Rausch gemeinsam. Mit Fackeln, Knüppeln, alten Schwertern zogen sie durch die Gassen, angefeuert von der eigenen Wut und dem Gefühl, zum ersten Mal seit langer Zeit etwas zu bewegen.
Alijan Draco hatte die Unruhe früh bemerkt. Boten liefen seit Stunden zwischen den Garnisonen hin und her, Wachen wurden verstärkt, Tore kontrolliert. Er stand im Halbdunkel einer Seitengasse, als die erste Gruppe Betrunkener auf eine Patrouille der Stadtwache traf. Worte wurden gewechselt, dann gestoßen. Ein Stein flog. Ein Schwert wurde zu früh gezogen. Die Straße färbte sich rot.
„Eindämmen“, knurrte Alijan, als ihm der Bericht gebracht wurde. „Nicht eskalieren lassen. Noch nicht.“
Er wusste, dass ein falscher Befehl die Stadt in Brand setzen konnte. Doch es war, als hätte BloodHaven genau auf diesen Funken gewartet.
Auf dem großen Platz vor dem Tempel kulminierte alles. Hunderte von Menschen hatten sich dort versammelt: Arbeiter, Hafenvolk, enttäuschte Gläubige, abgehalfterte Söldner. Fackeln flackerten, Stimmen schwollen an, Parolen hallten gegen die steinernen Fassaden. Die ersten Steine prallten gegen die Treppen des Tempels, eine Scheibe barst, ein Priester, der herausgetreten war, um zu beruhigen, wurde von einem Wurfgeschoss niedergestreckt.
Die Stadtwache formierte sich in Reihe, Schilde hoch, Speere nach vorne. Hinter ihnen stand ein Teil der Garde, mit besseren Waffen, besseren Rüstungen – aber weniger Nerven für Mitleid. Der Befehl war klar: den Tempel halten.
„Geht nach Hause!“ rief ein Offizier. „Kehrt zurück in eure Häuser!“
Die Antwort kam in Form eines Pflastersteins, der ihm den Helm vom Kopf riss. Dann brach der Sturm los.
Der Pöbel stürmte vor, wild, unkoordiniert, aber zahlreich. Die Wache hielt stand, dann brach die Welle, und formierte sich wieder neu. Schmerzensschreie, Befehlsrufe, das Splittern von Holz, das Quietschen von Metall auf Metall. Irgendwo fing ein Dach Feuer – erst eines, dann zwei. Funken stoben in den Himmel, ein dunkler, schwefliger Rauch zog über den Platz.
Alijan kämpfte an der Front, das Schwert in der Hand, die Zähne zusammengebissen. Er wusste, dass er nicht gegen den Pöbel kämpfte, sondern gegen eine Welle aus Frust, Angst und aufgestachelter Wut, die sich seit Jahren angestaut hatte.
Dann kam das Grollen.
Es war nicht das Rumoren einer Menge, nicht das Dröhnen eines einstürzenden Hauses. Es war tief, uralt, wie das Knurren der Erde selbst. Der Boden begann zu vibrieren, erst kaum spürbar, dann deutlich. Menschen stolperten, Schreie wurden panisch. Über den Platz rollte eine unsichtbare Welle – eine magische Erschütterung, die Fackelflammen zerzauste und in mancher Brust den Atem stocken ließ.
Viermal, aus vier Richtungen, flammte Licht auf.
Im Norden, auf der breiten Straße, die zum Oberen Tor führte, trat Baal-Draco aus dem Schatten, als habe er die Stadt nie verlassen. Die Rüstung, die ihm geblieben war, glänzte im unsteten Schein der Brände, die Augen kalt und klar. Um ihn herum knisterte die Luft von aufgeladener Magie.
Im Westen, auf dem Weg vom alten Adelsviertel her, erschien Kain – bleich, hochgewachsen, in einen Mantel aus Dunkelheit gehüllt, die Waffe locker in der Hand, als sei dies nur ein weiterer Abendspaziergang.
Im Süden, von den Gassen der unteren Viertel her, kam Liron, Schritte leise, Augen wachsam, begleitet von Gestalten, die mehr Schatten als Menschen schienen.
Im Osten, auf der Straße vom dichten Wald, trat Magnus Lee hervor, der Wind fuhr spielerisch durch seinen Mantel, als trüge er eine unsichtbare Sturmklinge an seiner Seite.
Das Konzil war wieder vereint, wenigstens 4 davon.
Die magischen Wellen, die ihre Ankunft begleitet hatten, prallten in der Mitte des Platzes zusammen, türmten sich übereinander, brachen dann in einem Druck aus Stille. Für einen Moment hörte man nichts mehr – keine Schreie, kein Klingen, kein Feuerknacken. Nur das Hämmern der Herzen all jener, die erkannten, dass sie plötzlich von vier Seiten eingeschlossen waren.
Die Menge, eben noch ein tobender Sturm, wurde zu einem Haufen eingekeilter Körper. Die Stadtwache und Garde traten instinktiv zurück, ließen eine Lücke – nicht aus Angst, sondern aus dem Wissen, dass dies nun ein anderer Kampf war.
Zuerst waren es nur geflüsterte Worte in dunklen Ecken: Dass die Rüstung nicht mehr im Tempel sei. Dass Baal-Draco seit Tagen nicht gesehen wurde. Dass man gehört habe, er sei in einem Dungeon gefallen, oder von seinen eigenen Kreaturen zerrissen worden. Niemand wusste, was stimmte – aber in einer Stadt wie BloodHaven brauchte die Wahrheit selten lange, um in etwas viel Gefährlicheres zu kippen: Hoffnung, Hass und Rausch zugleich.
In der altehrwürdigen Taverne „Zum Schwarzen Mond“ floss der BloodHavener Whisky in Strömen. Die Luft war dick von Rauch, Schweiß und aufgestauten Jahren der Unzufriedenheit. Alte Soldaten schlugen mit den Fäusten auf den Tisch, junge Heißsporne grölten Parolen, Händler verfluchten Steuern und Tempelabgaben, während zwielichtige Gestalten von einer „neuen Ordnung“ raunten, in der die Fürsten und ihre Magie keine Rolle mehr spielten.
„Wenn der Alte wirklich tot ist“, lallte einer mit rotem Gesicht, „dann gehört die Stadt nicht länger irgendwelchen Blutzauberern. Dann gehört sie uns!“
„Uns?“ lachte ein anderer bitter. „Dir gehört nicht mal deine eigene Schuldenliste.“
Doch der Whisky war stärker als die Vernunft. Worte wurden lauter, Gesten wilder. Jemand stellte die Frage, die alle dachten: „Wenn die Rüstung weg ist – wer schützt uns dann noch vor denen, die kommen? Wie etwa Zalindera?“
Schließlich kippte die Stimmung. Jemand rief, sie sollten „nachsehen“, ob der Tempel wirklich ungeschützt sei. Ob die Priester noch wagten, ihnen ins Gesicht zu lügen. Eine Meute formierte sich – nicht organisiert, nicht einig, aber im Rausch gemeinsam. Mit Fackeln, Knüppeln, alten Schwertern zogen sie durch die Gassen, angefeuert von der eigenen Wut und dem Gefühl, zum ersten Mal seit langer Zeit etwas zu bewegen.
Alijan Draco hatte die Unruhe früh bemerkt. Boten liefen seit Stunden zwischen den Garnisonen hin und her, Wachen wurden verstärkt, Tore kontrolliert. Er stand im Halbdunkel einer Seitengasse, als die erste Gruppe Betrunkener auf eine Patrouille der Stadtwache traf. Worte wurden gewechselt, dann gestoßen. Ein Stein flog. Ein Schwert wurde zu früh gezogen. Die Straße färbte sich rot.
„Eindämmen“, knurrte Alijan, als ihm der Bericht gebracht wurde. „Nicht eskalieren lassen. Noch nicht.“
Er wusste, dass ein falscher Befehl die Stadt in Brand setzen konnte. Doch es war, als hätte BloodHaven genau auf diesen Funken gewartet.
Auf dem großen Platz vor dem Tempel kulminierte alles. Hunderte von Menschen hatten sich dort versammelt: Arbeiter, Hafenvolk, enttäuschte Gläubige, abgehalfterte Söldner. Fackeln flackerten, Stimmen schwollen an, Parolen hallten gegen die steinernen Fassaden. Die ersten Steine prallten gegen die Treppen des Tempels, eine Scheibe barst, ein Priester, der herausgetreten war, um zu beruhigen, wurde von einem Wurfgeschoss niedergestreckt.
Die Stadtwache formierte sich in Reihe, Schilde hoch, Speere nach vorne. Hinter ihnen stand ein Teil der Garde, mit besseren Waffen, besseren Rüstungen – aber weniger Nerven für Mitleid. Der Befehl war klar: den Tempel halten.
„Geht nach Hause!“ rief ein Offizier. „Kehrt zurück in eure Häuser!“
Die Antwort kam in Form eines Pflastersteins, der ihm den Helm vom Kopf riss. Dann brach der Sturm los.
Der Pöbel stürmte vor, wild, unkoordiniert, aber zahlreich. Die Wache hielt stand, dann brach die Welle, und formierte sich wieder neu. Schmerzensschreie, Befehlsrufe, das Splittern von Holz, das Quietschen von Metall auf Metall. Irgendwo fing ein Dach Feuer – erst eines, dann zwei. Funken stoben in den Himmel, ein dunkler, schwefliger Rauch zog über den Platz.
Alijan kämpfte an der Front, das Schwert in der Hand, die Zähne zusammengebissen. Er wusste, dass er nicht gegen den Pöbel kämpfte, sondern gegen eine Welle aus Frust, Angst und aufgestachelter Wut, die sich seit Jahren angestaut hatte.
Dann kam das Grollen.
Es war nicht das Rumoren einer Menge, nicht das Dröhnen eines einstürzenden Hauses. Es war tief, uralt, wie das Knurren der Erde selbst. Der Boden begann zu vibrieren, erst kaum spürbar, dann deutlich. Menschen stolperten, Schreie wurden panisch. Über den Platz rollte eine unsichtbare Welle – eine magische Erschütterung, die Fackelflammen zerzauste und in mancher Brust den Atem stocken ließ.
Viermal, aus vier Richtungen, flammte Licht auf.
Im Norden, auf der breiten Straße, die zum Oberen Tor führte, trat Baal-Draco aus dem Schatten, als habe er die Stadt nie verlassen. Die Rüstung, die ihm geblieben war, glänzte im unsteten Schein der Brände, die Augen kalt und klar. Um ihn herum knisterte die Luft von aufgeladener Magie.
Im Westen, auf dem Weg vom alten Adelsviertel her, erschien Kain – bleich, hochgewachsen, in einen Mantel aus Dunkelheit gehüllt, die Waffe locker in der Hand, als sei dies nur ein weiterer Abendspaziergang.
Im Süden, von den Gassen der unteren Viertel her, kam Liron, Schritte leise, Augen wachsam, begleitet von Gestalten, die mehr Schatten als Menschen schienen.
Im Osten, auf der Straße vom dichten Wald, trat Magnus Lee hervor, der Wind fuhr spielerisch durch seinen Mantel, als trüge er eine unsichtbare Sturmklinge an seiner Seite.
Das Konzil war wieder vereint, wenigstens 4 davon.
Die magischen Wellen, die ihre Ankunft begleitet hatten, prallten in der Mitte des Platzes zusammen, türmten sich übereinander, brachen dann in einem Druck aus Stille. Für einen Moment hörte man nichts mehr – keine Schreie, kein Klingen, kein Feuerknacken. Nur das Hämmern der Herzen all jener, die erkannten, dass sie plötzlich von vier Seiten eingeschlossen waren.
Die Menge, eben noch ein tobender Sturm, wurde zu einem Haufen eingekeilter Körper. Die Stadtwache und Garde traten instinktiv zurück, ließen eine Lücke – nicht aus Angst, sondern aus dem Wissen, dass dies nun ein anderer Kampf war.