Baal-Draco
Schüler
Dunkle Schwellen
Der Mond stand tief über den Türmen von Umbra, sein Licht warf blaue Geister auf die Pflastersteine. Am alten Brunnen hinter der Nordmauer wartete Alijan Draco geduldig, die Hand an der Waffe, die Gedanken lauernd. Der Wirt hielt Wort und erschien aus dem Nebel – Kapuze tief ins Gesicht, Taschen voller Gold, dessen Gewicht für Schweigen sorgte.
„Unter der Gildenhalle der Nekromanten“, wisperte er, als hätte jedes Wort Gewicht, „versteckt sich ein uraltes Gewölbe. Dort hausen Dinge, die selbst die Toten fürchten. Dunkle Kreaturen, wahnsinnig gewordene Magier, Untote, Schatten, die Namen in den Albtraum werfen. Wer eintreten will, muss stark sein – und ein Narr oder Verzweifelter.“
Alijan warf ihm das versprochene Gold zu, der Wirt verschwand noch schneller als er gekommen war, und die Nacht wurde wieder einen Hauch dunkler.
Zur selben Zeit glitt Sicarius aus einer Seitengasse zum Vorplatz der Gildenhalle. Das Haus war groß, die Mauern von runenverzierten Steinen, kaum ein Licht in den Fenstern. Was ihm auffiel: Immer wieder huschten einzelne Gestalten durch das Hauptportal. Mal bleiche Nekromanten, mal vermummte Reisende, mal Schatten, kaum zu greifen.
Doch eines war verblüffend: Es gab kein Zurück.
Wer in das Haus der Nekromanten ging, kam nie wieder heraus. Der Eingang sog die Menschen wie ein Abgrund, ein dunkler Schlund aus Hunger, Angst und uralter Verheißung. Schon nach kurzer Beobachtung stand fest: Dies war mehr als eine Gildenversammlung – das Haus war eine Pforte, ein Labyrinth, vielleicht schon das Tor zu dem, was der Wirt erwähnt hatte.
Sicarius nahm die Beobachtung in sich auf, schärfte die Sinne, und wich tiefer in die Schatten zurück, um Alijan Bericht zu erstatten.
Als Sicarius später zu Alijan ins Inn zurückkehrte, hockten sich beide dicht zusammen im Schatten einer Ecke. Alijan schilderte die Worte des Wirts, Sicarius seine Beobachtungen. Es war klar: Alle Wege zum Schild führten in die Gewölbe unter der Halle – einen Ort, aus dem nur Wahnsinn oder Tod zurückkehrten.
Der nächste Schritt war gesetzt. Doch beide wussten, dass er sie weiter führen würde, als nur unter Stein – tief in das Herz der Dunkelheit selbst.
In den Tiefen von Bedlam
Die Hüterin des Eingangs – eine bleiche, vom Wahnsinn gestreifte Nekromantin – wartete mit verschränkten Armen vor der verborgenen Tür ins Dunkel. Ihr Haar war ein spinnwebenfeines Netz, die Finger voller kleiner, wirbelnder Runen.
„Nur Auserwählte dürfen hinabsteigen. Jeder andere wird den Zorn der Schatten kosten.“
Alijan machte keine Anstalten zu verhandeln. Ein kurzer Wortwechsel, ein gezielter Griff, Sicarius’ Schattenmagie legte sich wie Würgeschlingen um die Frau. Ein leiser Schrei, knisterndes Flackern der Haut – dann gaben ihre Knie nach, und zwischen stöhnenden Flüchen spie sie das geheime Wort aus, das den Zugang zu den Katakomben öffnete. Die große Steintür schwang auf. Geräusche von dumpfem Weh und entferntem Klirren drangen heraus.
Bedlam lag vor ihnen. Ein Labyrinth aus schwarzem, feucht glänzendem Stein, Hallen voller Knochenberge, das Licht gebrochen, als hätte selbst die Zeit Angst, hier zu verweilen. Der Boden war überzogen mit uralten Runenkreisen, das Prickeln unerlöster Magie vibrierte in der Luft.
Sie schritten voran, das Schwert gezückt, Sicarius' Schattenmagie wie ein dunkler Schleier im Rücken. Aus den Nischen krochen Schemen – halb verfault, in alten Rüstungen, die blauen Augen brennend im Totenschädel. Untote Krieger brüllten, Magier riefen Worte aus uralten Zeiten, schleuderten Splitter aus Kälte, Tod und Erinnerung.
Die beiden schlugen sich durch, Schritt um Schritt. Klingen fanden Knochen, Sicarius schnitt Schatten aus Schatten, bannte sie mit leisen Flüchen. An den Wänden zitterten alte Zeichen, darunter verblichene Tagebuchseiten, eingeritzt von jenen, die nie zurückkehrten.
Einige Korridore schienen lebendig – Hände griffen nach Stiefeln, uralte Stimmen sprachen aus Mauerspalten. Einmal standen sie einem magischen Wächter gegenüber, halb Skelett, halb Flammenwesen. Ein Duell voller rasender Zauber – Sicarius warf seine Schatten, Alijan den Schild als Ramme. Erst nach einer Spirale aus Schmerz und Licht sackte die Kreatur zusammen, zu Staub zerfallen.
Immer wieder tauchten Visionen auf, Trugbilder von alten Schrecken, gefallenen Freunden, den eigenen Ängsten. Bedlam fraß die Sinne, die Zeit verzog sich.
Im tiefsten Gewölbe öffnete sich eine Halle von beängstigendem Ausmaß. Mauern aus schwarzem Obsidian, Runenkreise leuchtend wie offene Wunden, der Duft von Tod und Magie. Auf einem Altar thronte der Schild, umgeben von Geistern und Särgen – und vor dem Schild lauerte Meister Theophilus in zerfetzter Robe. Augen voller Wahnsinn, das Gesicht verzerrt vom Irrsinn der Jahre.
„Erlösung… ist euer Recht! All ihr Lebenden, ihr Sünder! Ich schenke Euch den Tod… und Unsterblichkeit!“
Mit diesen Worten brachen die Särge ringsum auf: eine Armee aus Untoten erhob sich, Fäuste und Zauber bereiten zum Angriff. Der Kampf begann. Theophilus schleuderte nekromantische Flüche, rief Schatten aus dem Altar, seine Stimme wurde zu Donner, als er Leben und Tod verblendete. Alijan und Sicarius kämpften verzweifelt, wehrten Angriff um Angriff ab, rissen sich wieder und wieder aus Griffen und Bannkreisen.
Mit letzter Kraft schleuderte Sicarius einen Schattenpfeil mitten in die Brust von Theophilus, während Alijan, den Schild messerscharf voran, durch den Kreis der Untoten stürmte. Der Wahnsinnige taumelte, schrie, fiel – der Kreis zerfiel, ein Donnerschlag. Die Magie brach.
Ein Beben fuhr durch Bedlam. Einige Decken stürzten herab, Hallen barsten. Mit dem Schild gepackt, der von eiskaltem Licht umgeben war, rannten beide zurück, verfolgt von einstürzenden Gängen, Nachzüglerm umherirrender Untoter, dem Heulen der verlorenen Seelen.
Durch einen Nebeneingang, das Herz noch in der Kehle, schleuderten sie sich ins halbzerstörte Freie, das Echo von Theophilus’ letzten Worten im Ohr:
„Jede Erlösung... ist nur ein neuer Albtraum!“
Der Schild war errungen. Doch was sie mit zurück ans Licht brachten, waren nicht nur Artefakt und Atemzug – sondern Schatten, Zweifel und das Echo eines uralten Fluchs.
Der Mond stand tief über den Türmen von Umbra, sein Licht warf blaue Geister auf die Pflastersteine. Am alten Brunnen hinter der Nordmauer wartete Alijan Draco geduldig, die Hand an der Waffe, die Gedanken lauernd. Der Wirt hielt Wort und erschien aus dem Nebel – Kapuze tief ins Gesicht, Taschen voller Gold, dessen Gewicht für Schweigen sorgte.
„Unter der Gildenhalle der Nekromanten“, wisperte er, als hätte jedes Wort Gewicht, „versteckt sich ein uraltes Gewölbe. Dort hausen Dinge, die selbst die Toten fürchten. Dunkle Kreaturen, wahnsinnig gewordene Magier, Untote, Schatten, die Namen in den Albtraum werfen. Wer eintreten will, muss stark sein – und ein Narr oder Verzweifelter.“
Alijan warf ihm das versprochene Gold zu, der Wirt verschwand noch schneller als er gekommen war, und die Nacht wurde wieder einen Hauch dunkler.
Zur selben Zeit glitt Sicarius aus einer Seitengasse zum Vorplatz der Gildenhalle. Das Haus war groß, die Mauern von runenverzierten Steinen, kaum ein Licht in den Fenstern. Was ihm auffiel: Immer wieder huschten einzelne Gestalten durch das Hauptportal. Mal bleiche Nekromanten, mal vermummte Reisende, mal Schatten, kaum zu greifen.
Doch eines war verblüffend: Es gab kein Zurück.
Wer in das Haus der Nekromanten ging, kam nie wieder heraus. Der Eingang sog die Menschen wie ein Abgrund, ein dunkler Schlund aus Hunger, Angst und uralter Verheißung. Schon nach kurzer Beobachtung stand fest: Dies war mehr als eine Gildenversammlung – das Haus war eine Pforte, ein Labyrinth, vielleicht schon das Tor zu dem, was der Wirt erwähnt hatte.
Sicarius nahm die Beobachtung in sich auf, schärfte die Sinne, und wich tiefer in die Schatten zurück, um Alijan Bericht zu erstatten.
Als Sicarius später zu Alijan ins Inn zurückkehrte, hockten sich beide dicht zusammen im Schatten einer Ecke. Alijan schilderte die Worte des Wirts, Sicarius seine Beobachtungen. Es war klar: Alle Wege zum Schild führten in die Gewölbe unter der Halle – einen Ort, aus dem nur Wahnsinn oder Tod zurückkehrten.
Der nächste Schritt war gesetzt. Doch beide wussten, dass er sie weiter führen würde, als nur unter Stein – tief in das Herz der Dunkelheit selbst.
In den Tiefen von Bedlam
Die Hüterin des Eingangs – eine bleiche, vom Wahnsinn gestreifte Nekromantin – wartete mit verschränkten Armen vor der verborgenen Tür ins Dunkel. Ihr Haar war ein spinnwebenfeines Netz, die Finger voller kleiner, wirbelnder Runen.
„Nur Auserwählte dürfen hinabsteigen. Jeder andere wird den Zorn der Schatten kosten.“
Alijan machte keine Anstalten zu verhandeln. Ein kurzer Wortwechsel, ein gezielter Griff, Sicarius’ Schattenmagie legte sich wie Würgeschlingen um die Frau. Ein leiser Schrei, knisterndes Flackern der Haut – dann gaben ihre Knie nach, und zwischen stöhnenden Flüchen spie sie das geheime Wort aus, das den Zugang zu den Katakomben öffnete. Die große Steintür schwang auf. Geräusche von dumpfem Weh und entferntem Klirren drangen heraus.
Bedlam lag vor ihnen. Ein Labyrinth aus schwarzem, feucht glänzendem Stein, Hallen voller Knochenberge, das Licht gebrochen, als hätte selbst die Zeit Angst, hier zu verweilen. Der Boden war überzogen mit uralten Runenkreisen, das Prickeln unerlöster Magie vibrierte in der Luft.
Sie schritten voran, das Schwert gezückt, Sicarius' Schattenmagie wie ein dunkler Schleier im Rücken. Aus den Nischen krochen Schemen – halb verfault, in alten Rüstungen, die blauen Augen brennend im Totenschädel. Untote Krieger brüllten, Magier riefen Worte aus uralten Zeiten, schleuderten Splitter aus Kälte, Tod und Erinnerung.
Die beiden schlugen sich durch, Schritt um Schritt. Klingen fanden Knochen, Sicarius schnitt Schatten aus Schatten, bannte sie mit leisen Flüchen. An den Wänden zitterten alte Zeichen, darunter verblichene Tagebuchseiten, eingeritzt von jenen, die nie zurückkehrten.
Einige Korridore schienen lebendig – Hände griffen nach Stiefeln, uralte Stimmen sprachen aus Mauerspalten. Einmal standen sie einem magischen Wächter gegenüber, halb Skelett, halb Flammenwesen. Ein Duell voller rasender Zauber – Sicarius warf seine Schatten, Alijan den Schild als Ramme. Erst nach einer Spirale aus Schmerz und Licht sackte die Kreatur zusammen, zu Staub zerfallen.
Immer wieder tauchten Visionen auf, Trugbilder von alten Schrecken, gefallenen Freunden, den eigenen Ängsten. Bedlam fraß die Sinne, die Zeit verzog sich.
Im tiefsten Gewölbe öffnete sich eine Halle von beängstigendem Ausmaß. Mauern aus schwarzem Obsidian, Runenkreise leuchtend wie offene Wunden, der Duft von Tod und Magie. Auf einem Altar thronte der Schild, umgeben von Geistern und Särgen – und vor dem Schild lauerte Meister Theophilus in zerfetzter Robe. Augen voller Wahnsinn, das Gesicht verzerrt vom Irrsinn der Jahre.
„Erlösung… ist euer Recht! All ihr Lebenden, ihr Sünder! Ich schenke Euch den Tod… und Unsterblichkeit!“
Mit diesen Worten brachen die Särge ringsum auf: eine Armee aus Untoten erhob sich, Fäuste und Zauber bereiten zum Angriff. Der Kampf begann. Theophilus schleuderte nekromantische Flüche, rief Schatten aus dem Altar, seine Stimme wurde zu Donner, als er Leben und Tod verblendete. Alijan und Sicarius kämpften verzweifelt, wehrten Angriff um Angriff ab, rissen sich wieder und wieder aus Griffen und Bannkreisen.
Mit letzter Kraft schleuderte Sicarius einen Schattenpfeil mitten in die Brust von Theophilus, während Alijan, den Schild messerscharf voran, durch den Kreis der Untoten stürmte. Der Wahnsinnige taumelte, schrie, fiel – der Kreis zerfiel, ein Donnerschlag. Die Magie brach.
Ein Beben fuhr durch Bedlam. Einige Decken stürzten herab, Hallen barsten. Mit dem Schild gepackt, der von eiskaltem Licht umgeben war, rannten beide zurück, verfolgt von einstürzenden Gängen, Nachzüglerm umherirrender Untoter, dem Heulen der verlorenen Seelen.
Durch einen Nebeneingang, das Herz noch in der Kehle, schleuderten sie sich ins halbzerstörte Freie, das Echo von Theophilus’ letzten Worten im Ohr:
„Jede Erlösung... ist nur ein neuer Albtraum!“
Der Schild war errungen. Doch was sie mit zurück ans Licht brachten, waren nicht nur Artefakt und Atemzug – sondern Schatten, Zweifel und das Echo eines uralten Fluchs.