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Al Halqa – Im Kreis der letzten Erzähler

Prolog - Der Platz der Geschichten

In Mizra’im sagen sie: Jeder Mensch hat eine Geschichte seines Herzens. Wie glücklich müssen diejenigen sein, die sie kennen. Weil sie es sind, die um ihre Hintertür wissen. Die Tür, die immer einen Spalt offen steht, wenn alles festzufrieren droht. Ja, weil es diejenigen sind, die von innen mit einer Fluchtmöglichkeit gepolstert sind. Weil sie gewinnen, wenn sie verlieren – ihre Masken, ihre Panzer, ihr Selbst. Dieses Wissen zieht an, leise hebt es einen hoch und macht federleicht.

Irgendwo auf diesen von Menschen und Waren überquellenden weiten Platz, den man betritt, wenn man aus dem Gewimmel des angrenzenden Souks wieder herausgefunden hat und der Gluthitze des Nachmittages entkommen ist, die aus dem Poren der nackten, roten Mauern der Medina kriecht, wartet der Geschichtenerzähler auf den Kreis seiner Zuhörer. Dort am Ende der Gewürzgasse, wo es nach Koriander, Gewürznelken und Amber riecht, sitzt Rahim El Makkouri in weißer Dschellaba im Schatten eines Hauses und erzählt von Geheimnissen und Gefühlen, von Fragen, Zweifeln und Antworten, von Dankbarkeit, Trost und Freude, Freundschaft und Liebe. Er lauscht auf den Herzschlag der Stadt und weiß unzählige Geschichten zu berichten.
Rahim nimmt sich Zeit für diese, hört und erfühlt sie. Und trotzt damit dem ewigen Treiben der Händler in der Medina und den Tyranneien der Zeit, die so hastig zerren können und die Seele demolieren. Seine Augenfalten lachen, wenn er die Lider senkt, um die beginnende Blindheit zu bezwingen. Sie flackern ein wenig und schließen sich erst, als der Mann das Sprechen anfängt. Die Menschen im Kreis um ihn herum werden still, lauschen dem Klang seiner Stimme nach, ergründen seine Worte, bereit das Erzählte zu verstehen. Schon bald haben sie alles andere vergessen: den Staub und das Lärmen um sie herum, während es langsam Abend wird und dunkel in Mizra’im. Die Tröten und Tambourine der Musiker die nun auf den großen Platz zu hören sind, kündigen den Untergang der Sonne zuverlässiger an, als das Rufen des Muezzins vom Hauptturm der großen Moschee.

Rahim ist jemand, der Stimmen schenkt, der den Stummen eine Sprache gibt. Aus dessen Geschichten sich Träume und manchmal sogar Weisheiten formen. Darin liegt sein Glück. Seit Generationen verzaubern die Stimmen der Nomaden aus den Bergen und Wüsten Mizra’ims mit ihren Erzählungen die Menschen. Ihre Wächter sind die Halaiqi – die Geschichtenerzähler. Sie fühlen, sie wissen, wer ein Schauspieler ist, ein Betrüger, Lügner oder Gauner, ein Bettler, Krüppel oder Gerichteter. Jedes gesprochene Wort fangen sie mit den Ohren ein. Ihre Schule ist „El Makan“, der Platz mitten im Herzen von Mizra’im. Hier lernen die Halaiqi das Leben. Die Worte fließen durch sie hindurch. Mit Wucht werden sie nachts wieder ausgespuckt. Dann erzählen sie aus den Büchern der Welt. Und manchmal entdeckt einer, während er gefesselt dem Zauber der Sprache lauscht, plötzlich seine eigene Geschichte. Das sind die Halaiqi.
 
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